Zu Anfang ein Quadrat


In der traditionellen japanischen Kunst des Papierfaltens (Origami) beginnt alles mit einem kleinen quadratischen Stück Papier. Ca. 10 x 10 cm.

Das Quadrat als Grundform der Phantasie? Ich dachte, die Urform ist der Kreis, der passt aber ins Quadrat hinein …?!

Mal spielerischer, mal philosophischer Natur sind die Fragen und Gedanken, die sich mir in meinem Alltag als Gestalterin stellen. Davon möchte ich hier berichten.

Oft genug wird “Design” falsch verstanden und mit dem Stempel “fancy stuff for rich people” abgeurteilt. Nein, Design und Leben gehören für mich zusammen: “… design is first and foremost a sensibility that allows individuals to solve problems in different ways.” (Emily Pilloton”get local” in der Publication design mind von Frogdesign zur TEDglobal 2010).

Die heutige Geschichte geht so:

Vor einigen Tagen kam ich in einem Feinkostgeschäft mit einer älteren Frau ins Gespräch, die erzählte, sie koche gern japanisch und hätte 5 Jahre in Tokio gelebt. Leider konnte ich ihr bei der Suche nach einer bestimmten Zutat nicht helfen und wollte schon weitergehn. Da öffnete sie ihre Handtasche und zog einen gefalteten rot-weissen Kranich hervor (er gilt in Japan als das Symbol für ein langes, glückliches Leben). Sie gab ihn mir mit den Worten, er solle mir Glück bringen und verabschiedete sich.

Ich war berührt und dachte nach. Was war diese kleine Überraschung eigentlich?

Ein quadratisches Stück Papier, bedruckt und gefaltet. In der Grundform also ein normales Blatt wie wir es täglich verwenden. Und dann braucht es “nur” ein paar Knicke und Kanten und es nimmt die Gestalt eines Vogels an, eines Frosches oder was immer man möchte … und wird zur Geste.

Die Kunst des Origami ist sehr alt. Wow.

Versuchen sie doch mal Pixel zu falten … 😉 Nicht, daß ich die Vorzüge meines Computers nicht zu schätzen wüsste! Nur, der Anfang meines Berufslebens war ein komplett analoger. Ich bin kein digital Native. Im Studium und auch noch ein paar Jahre danach in Agenturen wurde mit Reiss-Schiene und Cutter geschnitten, dann gefaltet und geklebt und unzählige Dummies fabriziert, solange bis alles passte. Ohne CAD-Programme. So ist mir der Werkstoff Papier unwiderruflich ans Herz gewachsen, ich bin ein regelrechter Papier-Fan geworden.

Papier ist und bleibt ungeheuer vielseitig, wandlungsfähig und beflügelt unsere Phantasie. Wir können es fühlen, riechen und knicken. Und manchmal bringt es einen zurück zu den Anfängen.

→ Ach ja: Die schönsten Papiere in der Stadt gibts bei Carta Pura in der Schellingstrasse und Anleitungen zum Falten auch  – oder natürlich im Netz. Viel Spaß.

 




Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment

You may use these tags : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>